Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

21. März 2020

Hinführung

Mit diesen geprägten Worten haben Menschen vor uns in der Lutherkirche Zuflucht gesucht und oftmals gefunden. In der schweren Gründungszeit nach dem 30-jährigen Krieg, in der Zeit des Siebenjährigen Krieges, der Napoleonischen Besatzung bis in die Zeiten des langen 20. Jahrhunderts. Die Lutherkirche ist – von Zeiten der Renovierung abgesehen – an den Sonn- und Festtagen sowie im Alltag als eine feste Burg erlebt worden.

Nun verlangt eine unsichtbare Gefährdung, dass keine Gottesdienste und Versammlungen in der Lutherkirche stattfinden – zunächst bis einchließlich zum 19. April.

Gleichwohl wird auch an diesem 4. Sonntag der Passionszeit die Osterkerze entzündet. Hier finden Sie zum Lesen oder Hören eine kleine Andacht zu diesem denkwürdigen Sonntag. Möge sie die Verbundenheit zu Ihrer Lutherkirche und untereinander stärken.

Begrüßung

Herzlich willkommen in der Lutherkirche in Leer. In diesen Zeiten können wir nicht gemeinsam Gottesdienst feiern. Aber wir wollen mit regelmäßigen Impulsen mit Ihnen verbunden bleiben, bis wir uns wieder „live“ begegnen können.

Wir sind in der Mitte der Passionszeit angelangt. Wir denken an das Leiden Jesu und an das Leiden vieler Menschen in der Ferne und ganz in der Nähe. Gott verspricht uns: Ihr seid nicht alleine.

Der Wochenspruch für den 4. Passionssonntag, Sonntag Lätare, heißt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Joh. 12,24 Mit diesem Vergleich macht Jesus seinen Jüngern sein eigenes Sterben und sein Auferstehen verständlich.

Und das Lied „Korn, das in die Erde in den Tod versinkt“ spannt mit diesen Gedanken den weiten Bogen vom Sterben bis zum Ostermorgen: Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün. Dieses Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 98 hören Sie hier:

Das haben wir noch nie erlebt: Die Straßen von Leer menschenleer. Eine unsichtbare Bedrohung. In dieser Situation suchen wir Zuflucht in dieser Kirche, so wie Generationen von Menschen vor uns. Wir vergewissern uns, dass wir nicht alleine gehen. Wir tun das mit Worten des 23. Psalms:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Lasst uns beten. Gott, guter Hirte, wir kommen vor dich mit unserer Angst und Ratlosigkeit. Dir bringen wir unsere Sorgen. Wir wissen nicht, wie es weiter geht. Wir wissen nicht, wann das Leben wieder normal wird. Wir bitten dich: Bleib bei uns. Verlass uns nicht. In der Stille sagen wir dir, was uns bewegt.  (…) So bitten wir in Jesu Namen. Amen,

Angedacht.

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Joh. 12,24 Die Bäume draußen duften ganz wunderbar. Und ich atme diesen Duft ganz bewusst ein. Konnten Sie das auch schon tun? Alle Knospen springen auf. Die Wiesen sind von Gänseblümchen übersät. Die ganze Natur drängt sich ins Leben.

Und wir? Wir würden uns auch gern ins Leben drängen, zusammenkommen, in Cafés sitzen, auf Spielplätzen, reden und feiern. Aber es geht nicht.

Und manche können nicht aufatmen. Im Gegenteil, sie ringen nach Atem und in den Krankenhäusern werden die Beatmungsgeräte knapp. Was für eine verrückte Zeit! Leben und Sterben so nahe beieinander! Die ganze Welt hat sich verändert durch einen Virus.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht, sagt Jesus.

Er getraut sich vom Sterben zu sprechen. Und nimmt dafür ein Bild aus der Landwirtschaft: Weizenkörner fallen in die Erde und scheinen weg zu sein. Wie tot. Aber nach einer gewissen Zeit sprosst da frisches Grün hervor. Wird größer, bringt Frucht.

Jesus spricht von sich: Er muss sterben. Sein Körper wird ins Grab gelegt. Aber so bleibt es nicht. Am dritten Tag, so sagt es uns die Bibel, steht Jesus auf von den Toten. Er ist anders als vorher und doch derselbe. Die, die ihm begegnen, die, die an ihn glauben, erzählen von ihm und vom Leben, das er schenkt. Die Saat geht auf. Ihr Glaube trägt Früchte. Wie Weizenkörner sind die Nachfolger und Nachfolgerinnen Christi verstreut auf der ganzen Welt. Setzen sich ein, machen Mut, säen Glauben.

Und ich bin überzeugt, auch jetzt, gerade jetzt, geht die Saat auf, sind die Früchte zu spüren:

Wer fragt: „Wie geht’s?, sagt das nicht nur als Floskel, sondern meint es ernst.

Viele bieten Älteren oder Menschen in Quarantäne ihre Hilfe an.

Die alten Lieder und Gebete des Glaubens gewinnen an Aktualität und mindern die Angst.

Kreative Ideen wachsen, wie man Kinder beschäftigen kann.

Etwas stirbt und noch viel mehr geht auf.

Jeder einzelne, der an Corona verstorben ist, ist zu betrauern. Jedes Menschenleben ist ja unendlich kostbar. Und wir müssen alles daran setzen, diese Krankheit zu besiegen.

Aber trotzdem: Unsere Erde atmet auf. Seit 30 Jahren sieht man in den Kanälen Venedigs wieder Fische. In China ist die Luft deutlich besser geworden. Unserem Klima tun unsere erzwungenen Einschränkungen gut.

Und wir haben auf einmal Zeit. Wir können uns aufs Wesentliche konzentrieren. Und statt dem Jammern über das, was abgesagt wird, können wir uns auch sagen lassen.

So formuliert es Pastor Dr. Jochen Arnold aus Hildesheim: „Nicht alles ist abgesagt:

Sonne ist nicht abgesagt, Frühling ist nicht abgesagt,

Beziehungen sind nicht abgesagt, Lesen ist nicht abgesagt,

Musik ist nicht abgesagt, Freundlichkeit ist nicht abgesagt.“

Und auch nicht abgesagt sind Glaube, Liebe und Hoffnung.

Gott hat sie in uns gesät. Vom Wasser der Taufe begossen, bringen Glaube, Hoffnung und Liebe Frucht.

Ich will nicht behaupten, dass schon jetzt alles gut ist. Wir wissen nicht, was noch kommt.

Wir befinden uns in einem Zustand, der uns herausfordert, über unser Leben und dessen Sinn nachzudenken und unseren Glauben neu zu leben. Was ist es, was das Leben wertvoll macht? Was habe ich anderen zu verdanken? Wofür kann ich von Gott Kraft erbitten und wie finden die Kranken und Einsamen Trost?

Vielleicht helfen da auch die ganz alten Worte der Lieder, die in Zeiten von Krieg und Pest entstanden sind.

Das Lied „Jesu, meine Freude …“ gibt den Gefühlen Worte. Es bringt das bange Herz zur Sprache, aber auch das Vertrauen, das dem Tod trotzen will und Gottes Macht beschwört. Uns allen wünsche ich so ein Vertrauen, das Jesus als den „Freuden-Meister“ besingen kann. Amen.

Gebet

Gott.

Wir sind verbunden.

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Wir denken an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

Wir denken an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Beten zu Dir in allem, was ist.

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen: Vater Unser …

Segen

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.