Kirche
Niemand kann sich der Ausstrahlungskraft eines alten Kirchenraumes entziehen. Er hat den Glauben vieler Generationen in ihren Gebeten, Liedern, Texten in sich aufgenommen, ihr Suchen und Finden, ihr Feiern in Freude und Leid, im Alltag, an Wendepunkten des Lebens.
In seiner ‚inneren Mitte’ stehen die Symbole des christlichen Glaubens: Kreuz, Taufstein, Altar.
Architektur und Ausgestaltung lassen eine Spur erahnen, wie die Botschaft, die hier verkündet wird, verwirklicht wurde. Diese Spur wird nicht abreißen, solange hier Gottesdienst gefeiert wird.

Bis 1639 besuchten die lutherischen Einwohner von Leer die Gottesdienste der benachbarten lutherischen Gemeinden. Danach wurden sie Mitglieder der 5 km östlich gelegenen Gemeinde Logabirum. Um 1675 hatte Leer zwischen 3.000 . und 4.000 Einwohner; davon waren etwa ein Viertel lutherisch.
Am 20.12.1673 erbaten die Lutheraner von ihrer Landesherrin Fürstin Christine Charlotte als der Vormünderin ihres Sohnes Christian Eberhard die Genehmigung zur Gründung einer eigenen Gemeinde und zum Bau einer Kirche. Sie gewährte die freie Religionsausübung. Großzügig schenkte sie zum Bau der Kirche Steine vom ehemaligen Kloster Thedinga. Grundsteinlegung war am 2. Juni 1675

Zwischen 1706 und 1710 wurde die Kirche im Westen erweitert. Der zunächst geplante Turmbau wurde nicht ausgeführt.
Weil sich die Kirche für die größer gewordene Gemeinde als zu klein erwies, sollte sie an der Nordseite durch einen Anbau in Form eines halben Kreuzes vergrößert werden. Fürst Carl Edzard erlaubte im Jahre 1736, ein halbes Jahr lang eine Kollekte abzuhalten. Baubeginn war am 28. Juli 1738.

Der schon früher geplante Turmbau wurde endlich nach Genehmigung durch die preußische Regierung am 1. Juni 1766 begonnen. Zur Hundertjahrfeier im Jahre 1775 wurden zwei neue Glocken angeschafft.

Der 1793 an der Ostseite ausgeführte Erweiterungsbau erhielt über der Empore eine tonnenartige Decke, um für die Orgel mehr Platz zu schaffen. Im unteren Teil des Anbaus wurde die Sakristei untergebracht.
Im Jahre 1882 wurde ein Südflügel in Angleichung an den 1738 gebauten Nordflügel errichtet. Durch diese Erweiterung erheilt die Kirche eine Kreuzform. Anders als beim Nordflügel wurden diesmal zwei Eingänge mit Treppen zu den Emporen eingebaut.
Im Jahre 1910 wurde die Kirche grundlegend restauriert, u. a. Bau eines Treppenhauses an der Nordwestseite, Einbau einer neuen Orgel unter Erhaltung des alten Orgelprospektes; Einbau eines Tonnengewölbes im Mittelschiff; Ausmalen der Decken; Anbringen der Holzvertäfelung und Malen der Seiten.
Eine weitere gründliche Sanierung fand in den Jahren 1987/88 statt.

Lutherschwan mit weltlicher Krone - Wo findet man denn so etwas? Ganz einfach, schauen Sie nur einmal genau hin: auf dem Glockenturm unserer Lutherkirche.
Der „einfache“ Schwan bekrönt bei uns in Ostfriesland fast 70 Kirchtürme.
Er geht zurück auf den tschechischen Gelehrten Jan Hus (1370-1415) der in seiner Zeit schon den Klerus kritisierte und gegen Verschwendung, Habsucht und übermächtigen Besitz der Kirche Roms predigte. Dafür wurde er auf dem Konzil von Konstanz, das von 1414 bis 1418 dauerte, verurteilt und als Ketzer verbrannt, obwohl ihm der Kaiser des HRR Sigismund freies Geleit zugesichert hatte. Nach überlieferter Legende soll er (in Anlehnung an seinen Namen Hus, zu deutsch = Gans) gesagt haben: Heute verbrennt ihr eine graue Gans, aber aus der Asche wird ein goldner Schwan auferstehen.
Daran erinnerten sich die Lutheraner nach der Reformation. Sie nahmen den Schwan als Symbol auf ihre Kirchtürme Eine goldene weltliche Krone ziert nur den Schwanenhals unserer Kirche. Das hatte folgenden Grund: Nach vielen Streitigkeiten mit den in Leer vorherrschenden Reformierten durfte der Glockenturm an der Westseite erst 1766, also rund 90 Jahre nach der Einweihung der zuerst einfachen Einraumkirche, angebaut werden. Die Genehmigung dazu gab der Preußenkönig Friedrich II „der Große“, weil Ostfriesland seit 1744 zu seinem Königreich gehörte. (nach dem Aussterben der Cirksena-Fürsten) Aus Dankbarkeit hat ihn die Luthergemeinde mit der Hinzufügung der Weltenkrone geehrt. Ein Bildnis vom „alten Fritz“ hängt auch am Westausgang unserer Kirche.

- Altar
- Kreuz
- Taufstein
- Kanzel
- Deckengemälde Christus
- Deckengemälde Evangelist Matthäus
- Deckengemälde Evangelist Markus
- Deckengemälde Evangelist Lukas
- Deckengemälde Evangelist Johannes
- Edzard I. Fürst z.Zt. der Reformation
- Fürstin Christine Charlotte
- Fürst Christian Eberhard
- Fürst Carl Edzard
- Friedrich II. preußischer König und Georg Albrecht
- Turm














