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Herbstakademie: „Mitten im Sterben vom Leben umfangen“

26. November 2018


Das Kreuz vom auferstandenen Christus mit der Siegesfahne am Kreuz wurde vom Priester von Nimis und Torlano (Italien), Monsignore Rizieri De Tina, entworfen und von einem Künstler aus Nimis gestaltet. Foto Hannegreth Grundmann

Vortrag von Regionalbischof Klahr bei der Herbstakademie der Lutherkirche in Leer

öso. Leer. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Dieses Bibelwort aus Psalm 90,12 stand am dritten und letzten Abend der Herbstakademie der Lutherkirchengemeinde in Leer im Mittelpunkt. Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr sprach über Martin Luthers Sermon „Von der Bereitung zum Sterben“. Diesen Text hatte Luther im Jahr 1519 auf die Frage hin verfasst, wie man sich auf das Sterben vorbereiten könne. Diese frühe reformatorische Schrift gehört zu den Bestsellern des 16. Jahrhunderts.

Zur Lebenskunst gebe es heutzutage viele Bücher, aber kaum jemand beschäftige sich heute mit der Kunst des Sterbens. Zur Zeit Luthers sei dies aber üblich gewesen, sagte der Regionalbischof für den Sprengel Ostfriesland-Ems.

Wer sein Leben gestaltend zu Ende bringen wolle, sollte sein Testament aufsetzen, so Luther. Man ordne seinen Nachlass, damit es keinen Streit gebe, und vergebe sich untereinander, damit kein Ärger übrigbleibe.

Luther schaute von seiner reformatorischen Theologie her mit einem neuen Blick auf dieses Thema. So drehte Luther den Satz, „Mitten im Leben sind wir vom Sterben umfangen“, einfach um und sagte: „Mitten im Sterben sind wir vom Leben umfangen.“

Es sei nicht leicht mit dem Sterben, das wusste Luther, er betonte aber, wie wichtig es sei, sich in der Todesstunde keine Angst machen zu lassen. Schreckensbilder müssten durch Bilder des Trostes vertrieben werden.

Solch ein Trostbild war für Luther der gestorbene und auferstanden Christus, weil dieser den Tod für alle durchlitten und überwunden habe.

So stand an diesem Abend im Lutherhaus ein Bild im Mittelpunkt, das die Pressesprecherin des Sprengels, Pastorin Dr. Hannegreth Grundmann, aus Nimis und Torlano (Italien) mitgebracht hatte und vorstellte. Dieses Kreuz bringe auf den Punkt, was Luther in seiner Schrift ausführe, da es den auferstanden Christus mit seiner Siegesfahne am Kreuz zeige, so Dr. Grundmann.

„Sie haben alle ein Bild von Christus in sich, von dem, was er ihnen bedeutet. Darauf können sie schauen“, sagte Dr. Klahr. „Schau auf ihn, dann findest Du Trost, dann kannst Du auf ihn hin sterben“, fasste Klahr die Worte Luthers zusammen und sagte: Sich auf das Sterben vorzubereiten bedeute, heute den Glauben ins Leben hinein zu holen und sich jetzt zu fragen, auf wen man sich im Sterben verlassen könne.

Auf Einladung der Lutherkirchengemeinde Leer hielt Regionalbischof Klahr den dritten und letzten Vortrag der Herbstakademie im Lutherhaus in Leer.

Erstmals lud die Lutherkirchengemeinde Leer zu einer Herbstakademie ein, um grundlegende Themen ins Gespräch zu bringen, die jeden Menschen angehen. Dabei konnten neue – überraschende – Sichtweisen entstehen und Gedanken, die weiterhelfen. Referate ausgewiesener Fachleute bildeten an jedem Abend den Impuls für ein anschließendes Gespräch, beschrieb Pastor Christoph Herbold als Veranstalter die Absicht der Herbstakademie.

Hier das von Dr. Klahr zitierte Gedicht:

Hilde Domin „Die schwersten Wege“

 

Die schwersten Wege

werden alleine gegangen,

die Enttäuschung, der Verlust,

das Opfer,

sind einsam.

Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet

und sich keiner Bitte versagt

steht uns nicht bei

und sieht zu

ob wir es vermögen.

Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken

ohne uns zu erreichen

sind wie die Äste der

Bäume im Winter.

Alle Vögel schweigen.

Man hört nur den eigenen Schritt

und den Schritt den der Fuß

noch nicht gegangen ist aber gehen wird.

Stehenbleiben und sich Umdrehn

hilft nicht. Es muss

gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand

wie in den Katakomben,

das kleine Licht atmet kaum.

Und doch, wenn du lange gegangen bist,

bleibt das Wunder nicht aus,

weil das Wunder immer geschieht,

und weil wir ohne die Gnade

nicht leben können:

die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,

du bläst sie lächelnd aus

wenn du in die Sonne trittst

und unter den blühenden Gärten

die Stadt vor dir liegt,

und in deinem Hause

dir der Tisch weiß gedeckt ist.

Und die verlierbaren Lebenden

und die unverlierbaren Toten

dir das Brot brechen und den Wein reichen –

und du ihre Stimmen wieder hörst

ganz nahe

bei deinem Herzen.

Im Rahmen der Herbstakademie der Lutherkirchengemeinde in Leer stellte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr Martin Luthers Sermon „Von der Bereitung zum Sterben“ vor. (Foto: Hannegreth Grundmann)