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Herbstakademie an der Lutherkirche: Dr. Joachim Hensel

16. November 2018

Es ist ein Brunnen, der heißt Leid;
draus fließt die lautre Seligkeit.
Doch wer nur in den Brunnen schaut,
den graut.

Er sieht im tiefen Wasserschacht
sein lichtes Bild umrahmt von Nacht.
O trinke! da zerrinnt dein Bild:
Licht quillt.

(Richard Dehmel)

Dr. med. Joachim Hensel, Bockhorn sprach am zweiten Abend der diesjährigen Herbstakademie an der Lutherkirche „Über den Sinn des Leidens. Gedanken eines Arztes zum Umgang mit Krankheit und Leid.“

Gleich zu Beginn seines Vortrages macht Dr. Hensel deutlich, dass er nicht aus einer theoretischen Perspektive heraus das gestellte Thema behandelt. Auch werde er nicht aus der langjährigen Perspektive des praktischen Arztes berichten. Vielmehr nahm Hensel seine Hörerinnen und Hörer mit auf seinen Leidensweg, indem er eindringlich seine eigenen Erfahrungen mit einer heimtücksichen Krebserkrankung reflektierte. „Mit der Diagnose entsteht unbarmherzig eine Glaswand um den Kranken, die ihn von allem abtrennt, das vorher den Alltag ausmachte.“ fasste Hensel seine Erfahrungen der ersten Zeit zusammen, „die Scholle des Lebensacker wird umgepflügt.“ In Anlehnung an den Krankenhausseelsorger Hugo Zabel unterschied er dabei fünf unterschiedliche Reaktionen auf Leid.  Es kamen die verzweifelten Augenblicke ebenso in den Blick wie die begleiteten Wegstrecken. Eindrücklich sprach Hensel von dem geschenkten Geheimnis, im Leiden einen Sinn zu entdecken, das im oben zitierten Gedicht zum Ausdruck kommt. So konnte auch an Thomas Mann, Zauberberg erinnert werden: “ Krankheit macht den Menschen edel und klug und befreit ihn von dem Alltäglichen.“

Ein lebhafte Diskussion schloss sich an den Vortrag an. Langanhaltender Applaus dankte Dr. Hensel für den bewegenden Abend.