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Martin Luther und das Alte Testament

15. Juli 2016

Vortrag von Dr. Kim Strübind bei der Sommerakademie der Lutherkirche Leer.

„Man ahnt, dass man einen Grundkonflikt berührt.“ So leitete Dr. Kim Strübind vom Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Universität Oldenburg sein Referat über „Luther und das Alte Testament“ im Rahmen der Sommerakademie an der Lutherkirche Leer ein. Der Dozent für Altes Testament machte seinen knapp 100 Zuhörern deutlich, dass Luthers Ansichten über das Alte Testament nur vor dem Hintergrund seines Verständnisses der ganzen Bibel zu begreifen seien. „Luther ging es darum, die vielfältigen Aussagen der Bibel von Jesus Christus her und auf ihn hin zu deuten“, erläuterte Strübind das Auslegungsprinzip des Reformators. Neben dieser Prämisse sei bei Luther die Fokussierung auf den wörtlichen Sinn des Bibeltextes getreten, erklärte Strübind, was dazu führe, dass eine Spannung zwischen Text und Auslegung immer bestehen bleibe.

Letztlich sei für Luther selbst die Schrift aber klar und eindeutig gewesen, weil er sie mit einem Sachkriterium betrachtet habe: Dort wo die Bibel von der Rechtfertigung des Gottlosen allein aus Glauben und Gnade spreche, da strahle ihre Klarheit, sei der Reformator überzeugt gewesen. Von diesem Zentrum her seien auch die dunklen Stellen der Schrift zu beleuchten.

Da Martin Luther die Bibel auch von ihrer Unterordnung unter das kirchliche Lehramt und dessen Art der Auslegung befreit habe, sei er der eigentliche Begründer der kritischen Bibelwissenschaft gewesen, sagte Strübind. Der Bibelübersetzer Luther habe besonders den Reichtum der hebräischen Sprache bewundert und gewürdigt.

Im Anschluss an den Vortrag des Oldenburger Alttestamentlers leitete Pastor Christoph Herbold das Auditorium zu drei Arbeitsgruppen über, in denen es zu einem angeregten Austausch über das Gehörte unter verschiedenen Fragestellungen kam. Wie im abschließenden Plenum mit Rückfragen an den Referenten deutlich wurde, ergab sich am meisten Diskussionsbedarf bezüglich der Frage, inwiefern das Alte Testament (die) Bibel der Christen sei.

In seiner Stellungnahme zu den Anfragen und Diskussionspunkten der Kleingruppen erläuterte Strübind noch einmal die zweifache Auslegungsgeschichte des Alten Testaments, d.h. seine Interpretation im Judentum und im Christentum. Außerdem stellte er die Vielfalt der theologischen Aussagen des Alten Testaments heraus sowie die Unmöglichkeit, das Neue Testament ohne sein Fundament im Alten Testament zu verstehen. „Ein bisschen mehr religiöse Bescheidenheit täte uns gut“, sagte Strübind am Ende des Abends, als er die Gefahren einseitiger und vorschneller Bibelauslegung demonstrierte.

Mit Applaus und Leeraner Spezialitäten bedacht wurde der Referent verabschiedet. Die Zuhörer wurden eingeladen, sich durch ihre neuen Erkenntnisse zu einem vertieften Umgang und neuen Entdeckungen, besonders im Blick auf das Alte Testament, inspirieren zu lassen.

Die Sommerakademie an der Lutherkirche wird am Mittwoch, den 20.07.2016 um 19:30 Uhr mit einem Vortrag des Meppener Autors Heiko Kastner über Luthers aktuelle Kritik am neuzeitlichen Wirtschaftssystem fortgesetzt.

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