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Schon Martin Luther wünschte sich ansprechende Gottesdienste

8. Juli 2016

Vortrag von Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy bei der Sommerakademie der Lutherkirchengemeinde Leer

kkl Leer. „Martin Luther wollte einen Gottesdienst, der junge Leute anspricht, in zeitgemäßer und verständlicher Sprache und mit ihrer Musik“. Das sagte der Landessuperintendent des Sprengels Stade, Dr. Hans Christian Brandy, der den zweiten Vortrag im Rahmen der Sommerakademie an der Lutherkirche Leer hielt. Die etwa 80 Zuhörer bedachten die Ausführungen zum Thema „Martin Luther und seine Reformation des Gottesdienstes“ mit viel Beifall.
Pastor Christoph Herbold hatte die Gäste im Lutherhaus im Namen der Lutherkirchengemeinde und der Kooperationspartner der sechswöchigen Veranstaltungsreihe begrüßt. Er freute sich im Verlauf des Abends gemeinsam mit Dr. Brandy über den intensiven Meinungsaustausch der Besucher. In drei Gruppen kamen sie nach dem Vortrag in lockerer Atmosphäre bei einem Getränk miteinander zu Schwerpunkten des Themas ins Gespräch. Auf Fragen und Standpunkte dazu ging anschließend in großer Runde Dr. Brandy ein.
In seinem Vortrag hatte der Landessuperintendent einen Bogen gespannt, der im spätmittelalterlichen gottesdienstlichen Leben begann und mit der Bedeutung der Einsichten Luthers für heutige Gottesdienste endete. Zehn Jahre vor dem Beginn der Reformation im Jahr 1517 wurde Luther Priester. Seine Reform des Gottesdienstes sei nur auf der Basis der Gottesdienstpraxis seiner Zeit zu verstehen, sagte Brandy.
Christus als Erlöser und nicht als Richter zu sehen sei eine wichtige Einsicht Luthers gewesen, erklärte der Referent. Im Kern sei es dem Reformator immer um die Rechtfertigung des Menschen im Glauben allein aus Gottes Gnade gegangen. Er habe sich gegen religiösen Leistungsdruck gewandt.
„Zentral für den Gottesdienst ist die Predigt“, sagte der Landessuperintendent. Auch diese Einsicht Luthers sei prägend gewesen. In der heutigen Informationsgesellschaft mit einer Überfülle an Worten müssten aber auch andere Akzente hinzukommen. Beim Abendmahl habe Luther schon früh angeregt, auch den Laien den Kelch zu reichen. In den vergangenen Jahrzehnten habe die lutherische Kirche stärker entdeckt, dass das Abendmahl neben dem Charakter der Sündenvergebung auch den eines Freudenmahls habe, dass es ein Fest der Gemeinschaft mit Gott und untereinander sei.
„Lutherischer Gottesdienst ist sinnlich“, betonte Brandy. Die Bilderstürmer – gegen deren Gewalt sich auch Luther gewandt habe – hätten sich nicht durchgesetzt. Was nicht der Bibel widerspreche, bleibe erhalten, so etwa Bilder, Sakramente, reich ge-staltete Kirchen, Gerüche, Berührung, Bewegung, Tanz. Und auch wenn es theologische Unterschiede gebe, könne das lutherische Gottesdienstverständnis als ökumenisch bezeichnet werden. So könnten heute Katholiken und Protestanten gemeinsam Gottesdienst feiern.
„Ich wünsche mir eine Buntheit an christusgemäßen und menschenfreundlichen Gottesdiensten, eine Pluralität an Formen, an Zeiten, an Musikstilen. Und ich meine, mit diesem Wunsch ganz auf der Linie von Luthers Reformation des Gottesdienstes zu sein“, schloss der Landesuperintendent seinen Vortrag.